Die Energiewende verändert nicht nur radikal, wie unser Strom in Deutschland produziert wird (Weg von Kohle, hin zu Wind und Sonne), sondern auch, wie wir ihn in Zukunft bezahlen. Eine der wichtigsten und für Verbraucher spannendsten Änderungen steht unmittelbar bevor: Ab dem Jahr 2025 sind alle Energieversorger laut Bundesnetzagentur gesetzlich verpflichtet, dynamische Stromtarife anzubieten. Das klingt zunächst technisch und kompliziert, ist aber in Wahrheit eine riesige Chance für Ihren Geldbeutel wenn Sie die richtige Heiztechnik besitzen.
Während Besitzer träger Heizsysteme (wie wassergeführten Fußbodenheizungen, Gasthermen oder alten Nachtspeicheröfen) oft machtlos zusehen müssen, wie die Energiekosten explodieren, können Sie mit einer Infrarotheizung aktiv von der Volatilität des Marktes profitieren. Warum? Weil Infrarot das physikalisch einzige Heizsystem ist, das schnell genug reagiert, um günstigen Strom in Wärme umzuwandeln, bevor der Preis an der Börse wieder steigt.
In diesem umfassenden Experten-Artikel zeigen wir Ihnen detailliert, wie Sie Ihren Stromtarif intelligent nutzen, den Börsenpreis für sich arbeiten lassen und die Wärme clever in den Wänden speichern, um teure Phasen zu überbrücken. Wir rechnen vor, warum sich der Umstieg lohnt und welche Technik Sie dafür benötigen.
Einführung in dynamische Stromtarife: Das Ende des Starrsinns
Bisher kannte man in Deutschland fast ausschließlich das klassische "Flatrate-Modell": Sie zahlen einen festen Preis pro kWh (Kilowattstunde) aktuell oft rund 30 bis 35 Cent –, völlig egal, ob Sie den Strom mittags um 12 Uhr verbrauchen, wenn die Solaranlagen auf Hochtouren laufen, oder nachts um 3 Uhr. Dieser Preis enthält hohe Sicherheitsaufschläge der Anbieter, um Preisschwankungen abzufedern. Sie zahlen also für eine Sicherheit, die Sie vielleicht gar nicht brauchen.
Ein dynamischer Stromtarif bricht dieses starre Modell komplett auf. Hier wird der Arbeitspreis (also der Preis für die Energiebeschaffung selbst) direkt an den aktuellen Börsenpreis der europäischen Strombörse EPEX Spot gekoppelt. Da sich dieser Preis stündlich ändert, zahlen Sie mal mehr und mal weniger.
Die Realität an der Börse: Wenn viel Wind weht oder im Sommer die Sonne scheint, fällt der Preis an der Börse oft massiv. Nicht selten sinkt er auf unter 15 Cent, 10 Cent oder sogar in den negativen Bereich (Sie bekommen Geld fürs Verbrauchen!). An dunklen, windstillen Winterabenden hingegen steigt er, da teure Gaskraftwerke einspringen müssen.
Für moderne Haushalte bedeutet das: Wer seinen Verbrauch flexibel in die günstigen Stunden verlagert, kann seine Stromkosten drastisch senken. Doch das funktioniert nur, wenn Sie ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) besitzen, das den Stromverbrauch genau dann erfasst, wenn er anfällt. Wer diesen Tarif nutzt, zahlt am Ende des Monats genau das, was der Strom zum Zeitpunkt des Verbrauchs wert war – fair, transparent und oft deutlich günstiger.
Was sind Infrarotheizungen und warum sind sie der ideale Partner?
Bevor wir die Kombination mit dem Stromtarif vertiefen, lohnt ein technischer Blick auf die Heizung selbst. Infrarotheizungen unterscheiden sich grundlegend von konventionellen Heizkörpern. Sie erwärmen nicht primär die Luft (Konvektion), sondern nutzen elektromagnetische Wellen, um feste Körper im Raum direkt zu erwärmen – also Wände, Möbel, den Fußboden und Menschen.
Hier liegt der entscheidende Vorteil für das Heizen mit Börsenstrom: Geschwindigkeit.
Eine klassische Wärmepumpe (Luft-Wasser) oder eine Fußbodenheizung ist ein extrem träges System. Es dauert oft 3 bis 5 Stunden, bis der Estrich aufgeheizt ist und der Raum warm wird. Wenn der Strompreis gerade niedrig ist (z.B. zwischen 13:00 und 15:00 Uhr), nützt Ihnen das wenig, wenn die Heizung erst um 18:00 Uhr ihre volle Wärme abgibt – genau dann, wenn der Strom vielleicht schon wieder teuer ist ("Abendspitze"). Sie können mit trägen Systemen kaum auf stündliche Preissignale reagieren.
Eine Infrarotheizung hingegen liefert fast sofort nach dem Einschalten spürbare Wärme. Die Reaktionszeit liegt im Minutenbereich. Sie können also exakt in der Stunde heizen, in der der Börsenpreis im Keller ist. Diese Reaktionsschnelligkeit macht sie zum perfekten Partner für den dynamischen Tarif. Sie wandeln elektrische Energie quasi in Echtzeit in Wärme um, ohne Vorlaufzeit und ohne Leitungsverluste.
Die Strategie: Die Wand als "Wärme-Batterie" nutzen
Die Kombination aus Infrarot und variablen Preisen ermöglicht eine Strategie, die im Fachjargon "Lastverschiebung" genannt wird. Dabei nutzen wir die Bausubstanz Ihres Hauses als Speicher.
1. Die "Ladephase" (Günstiger Strom): Nehmen wir an, der Strompreis fällt mittags zwischen 12:00 und 15:00 Uhr auf 16 Cent/kWh, weil ein Sturm über Norddeutschland fegt. Ihr System erkennt dies. Die Infrarotheizungen fahren hoch – vielleicht sogar 1-2 Grad höher als normal (z.B. auf 23°C).
2. Der Speichereffekt: Die Infrarotstrahlung erwärmt nun intensiv die Wände, den Boden und die Möbel. Diese massiven Bauteile speichern die thermische Energie. Ein massives Mauerwerk kann Wärme über viele Stunden halten.
3. Die "Entladephase" (Teurer Strom): Abends zwischen 17:00 und 20:00 Uhr kommen alle Menschen nach Hause, kochen und schauen Fernsehen. Der Strompreis an der Börse steigt auf 35 oder 40 Cent (hohen Kosten). In dieser Zeit schaltet Ihr Thermostat die Infrarotheizung komplett ab. Der Clou: Sie frieren nicht! Da Ihre Wände vorher "aufgeladen" wurden, strahlen diese die Wärme nun sanft zurück in den Raum (Kachelofen-Effekt). Sie überbrücken die teure Phase komplett passiv, ohne auch nur eine teure kWh zu verbrauchen.
Ein Rechenbeispiel: So viel sparen Sie wirklich
Lohnt sich der Aufwand? Rechnen wir es anhand eines typischen Wintertages durch. Wir vergleichen einen Standard-Tarif mit einem dynamischen Tarif bei Einsatz einer Infrarotheizung (Beispiel: 20 kWh Heizbedarf pro Tag).
Szenario A: Der Standard-Kunde (Flatrate)
Tarif: Festpreis 32 Cent/kWh.
Verbrauch: Heizung läuft den ganzen Tag durch, mal mehr, mal weniger.
Kosten: 20 kWh x 0,32 € = 6,40 € pro Tag.
Szenario B: Der "Smart-Heizer" (Dynamisch + Infrarot)
Tarif: Dynamisch (Schwankt zwischen 15 Cent und 40 Cent).
Strategie: Wir heizen stark in den billigen Stunden und schalten in den teuren Stunden ab.
00:00 - 06:00 Uhr (Nachtwind, sehr günstig): 8 kWh Verbrauch zu 18 Cent = 1,44 €
06:00 - 10:00 Uhr (Morgenspitze, teuer): Heizung AUS (Restwärme nutzen) = 0,00 €
10:00 - 16:00 Uhr (Mittagssonne, sehr günstig): 10 kWh Verbrauch zu 15 Cent = 1,50 €
16:00 - 21:00 Uhr (Abendspitze, extrem teuer): Heizung AUS = 0,00 €
21:00 - 24:00 Uhr (Preis sinkt): 2 kWh Verbrauch zu 22 Cent = 0,44 €
Kosten: 3,38 € pro Tag.
Ergebnis: Durch die intelligente Verschiebung der Heizzeiten sparen Sie an diesem Tag fast 47% der Heizkosten. Auf einen ganzen Winter hochgerechnet, summieren sich diese Beträge schnell auf mehrere hundert Euro – allein durch die Nutzung von Marktdaten.
Wie funktionieren dynamische Stromtarife technisch?
Um das System zu nutzen, müssen wir uns ansehen, wie Preise an der Strombörse entstehen. Dynamische Stromtarife geben die Schwankungen von Angebot und Nachfrage direkt an Sie weiter.
Angebot: Wenn die Sonne scheint (PV-Anlagen) und der Wind weht, gibt es ein Überangebot an erneuerbaren Energien. Der Preis sinkt drastisch.
Nachfrage: Wenn Deutschland "wach" ist, steigt der Preis.
Ihr Stromanbieter (wie z.B. Tibber, aWATTar oder Rabot Charge) reicht diese Preise 1:1 durch (+ Steuern, Netzentgelte und Abgaben). Sie sehen also in einer App meist schon 24 Stunden im Voraus (Day-Ahead-Markt), was die Kilowattstunde morgen um 15 Uhr kosten wird. Das gibt Ihnen Planungssicherheit.
Damit die minutengenaue Abrechnung funktioniert, ist ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) nötig. Wie Sie an einen solchen Zähler kommen und was er kostet, erklärt die Verbraucherzentrale im Detail. Dieses digitale Gerät sendet Ihren Verbrauch in kurzen Intervallen (meist alle 15 Minuten) an den Versorger. So können die Zahlen exakt den Preiszonen zugeordnet werden. Wer noch keinen Smart Meter hat, kann bei einigen Anbietern auch mit einem Zusatzgerät (einem sogenannten "Tracker" oder "Pulse") am digitalen Zähler arbeiten.
Automatisierung: Nutzung von Echtzeitdaten für die Heizsteuerung
Niemand möchte den ganzen Tag auf die Strompreis-App starren, um die Heizung an- und auszuschalten. Die Lösung ist Automatisierung. Hier kommt das intelligentes Zuhause (Smart Home) ins Spiel.
Moderne Infrarotheizungen lassen sich über Smart Thermostate steuern. Viele Systeme (wie Home Assistant oder spezielle Apps der Stromanbieter) können diese Thermostate mit den Daten des Strompreises verknüpfen (via API oder IFTTT).
Ein Praxis-Beispiel für die Automatisierung: Sie legen eine Regel in Ihrer App fest:
1. "Wenn der Strompreis unter 20 Cent fällt, setze alle Thermostate auf 23 Grad (Boost-Modus)."
2. "Wenn der Strompreis über 30 Cent steigt, setze alle Thermostate auf 18 Grad (Eco-Modus)."
Das System erkennt automatisch die Preissignale. Sie müssen nicht manuell rechnen oder Zahlen vergleichen. Einmal eingerichtet, optimiert sich Ihr Stromverbrauch von selbst und Sie heizen vollautomatisch immer dann, wenn der Strom im Netz "übrig" ist.
Häufige Fragen (FAQ) zu dynamischen Tarifen und Infrarot
Brauche ich zwingend einen Smart Meter? Für einen echten dynamischen Tarif in der Regel ja. Es gibt jedoch Übergangslösungen (z.B. monatliche Durchschnittspreise) oder Hardware-Zusätze (wie den Tibber Pulse), die auf Ihren modernen digitalen Zähler aufgesetzt werden und die Daten per WLAN senden. Ab 2025 haben Sie jedoch ein gesetzliches Recht auf den Einbau eines Smart Meters durch Ihren Messstellenbetreiber.
Was passiert, wenn der Strompreis extrem hoch ist? Es gibt Phasen (Dunkelflauten), in denen der Strom teurer sein kann als im Standard-Tarif. Genau hier spielt die Infrarotheizung ihre Stärke aus: Sie können sie in diesen Phasen komplett abschalten oder stark drosseln, ohne dass die Wohnung sofort auskühlt (dank der Speicherwärme in den Wänden). Andere Heizungen laufen oft stur weiter.
Ist das Heizen mit Strom nicht generell zu teuer? Das war einmal. Durch die Kombination aus hocheffizienter Infrarotstrahlung (die keine Luft erwärmen muss) und den extrem günstigen Börsenpreisen (teilweise unter 15 Cent/kWh Arbeitspreis) können Sie oft günstiger heizen als mit einer Gastherme oder einer alten Wärmepumpe im Standard-Tarif.
Kann ich das auch in einer Mietwohnung nutzen? Ja! Infrarotheizungen können einfach an die Steckdose angeschlossen oder an die Wand gehängt werden. Den Stromvertrag können Sie als Mieter frei wählen. Wenn Sie Zugang zu Ihrem Stromzähler haben und dieser digital ist, können Sie oft schon heute loslegen.
Welche Anbieter gibt es? Bekannte Anbieter für dynamische Tarife in Deutschland sind Tibber, Rabot Charge, aWATTar oder Ostrom. Ab 2025 müssen aber auch Ihre Stadtwerke und großen Versorger solche Tarife anbieten.
Die Zukunft des Heizens ist flexibel
Die Technologie ist reif. Ab 2025 werden dynamische Stromtarife zum Standard für viele Haushalte. Wer jetzt auf ein schnelles, reaktives Heizsystem wie Infrarot setzt, macht sich unabhängig von steigenden Durchschnittspreisen und wird zum aktiven Teilnehmer der Energiewende.


